„Der kleine Pirat und die kleine Prinzessin“ von Kirsten Boie

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Foto: © Otto Raddatz, Collage: © Christine Weber

Aussteiger sucht Freundschaft

Piraten sind für ihre hohe Gewaltbereitschaft bekannt, wenn es irgend möglich ist, geht man ihnen aus dem Weg. Nicht viel anders lebte bisher der kleine Pirat im Bilderbuch von Kirsten Boie.

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Silke Brix, Steg, Segelschiff, Illustration, moderne Kunst, Malerei,

Illustration von © Silke Brix, Oetinger Verlag

Im Folgeband über den kleinen Piraten (der erste Band erschien 1992) widmet Kirsten Boie sich einem Außenseiter zu, dem es bisher gefiel, Schrecken zu verbreiten. Rein äußerlich verändert er nichts, er trägt weiterhin seine übliche Piratenkleidung, erkennbar an seinem legendären schwarzen Hut mit Totenkopf. Wer Angst und Schrecken verbreitet, bekommt vielleicht Respekt gezollt, Vertrauen schenkt man ihm nicht, geschweige denn, dass irgend jemand mit ihm befreundet sein möchte. Dabei wünscht sich der kleine Pirat nichts sehnlicher als eine Freundschaft.
    
Etwas ungewöhnlich ist die Vergangenheitsform, in Kinderbüchern bevorzugt man die Gegenwartsform. In ihrer Themenwahl bleibt sich die vielbeachtete Kinderbuchautorin treu: Außenseiter sucht Freundschaft, steigt aus seinem bisherigen Leben aus. Ebenso bleibt sie in der Zusammenarbeit mit der Illustratorin Silke Brix treu. Die beiden haben so manches Bilderbuch miteinander gestaltet. Silke Brix greift zur Parallelität von Text und Bild, mal zeigt sie diese in kleinen Sequenzen und bringt damit eine Dynamik in die Handlung, mal sind es pfiffige Großformate, da bringen auch schon mal Mäuse Licht ins Dunkel.
     So ein kleiner Pirat lebt zwar auf einem Schiff, verfügt über unfassbare Schätze, die so enorm sind, dass selbst die sehr verwöhnte kleine Prinzessin genau das findet, was sie sich gerade wünscht. Verwöhnte Kinder können unglaublich nervig sein, so auch die kleine Prinzessin, die ständig am quaken ist und jeden Normalsterblichen damit in die Flucht schlagen würde, nur dem kleinen Piraten scheint das nichts auszumachen, im Gegenteil, er legt eine erstaunliche Geduld mit ihr an den Tag. Und ja, es hat einen Anstrich von dem kleinen Prinzen, der dem Fuchs soviel Zeit einräumt, wie er benötigt. Ähnlich wie der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry das Geniale im Einfachen sucht, so ist auch der kleine Pirat, dem seine Schätze im Grunde wurscht sind.

Eigentlich ist Kirsten Boie dafür bekannt, dass sie Stereotypen nicht nur meidet sondern diese aufbricht, doch in diesem Bilderbuch ist ihr das nur halbherzig gelungen: der Junge als gelassener Held, ihm gegenüber steht das blonde Mädchen; immerhin trägt sie nicht durchgängig ein rosarotes Kleid. An manchen Stellen ist die Handlung etwas langatmig. Man kann eben nicht immer das Buch aller Bücher schreiben. Den Kindern gefällt es trotzdem, wie ich in den Vorlesestunden erlebe.

© read MaryRead 2019

Kinderbuch

Kinderbuch, Bilderbuch, 4 Jahre, Rezension, Buchbesprechung, Literaturkritik,Kirsten Boie: Der kleine Pirat und die kleine Prinzessin
Illustrationen: Silke Brix
Bilderbuch
Alter: ab 4 Jahre
32 Seiten
gebunden
Format (H x B x T): 289 x 221 x 8 mm
Gewicht: 363 g
erschien: 21.01.2019
Verlag: Oetinger
ISBN 978-3-7891-1049-8
Preis: 13,00 € (D), 13,40 € (A)

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