Zu Gast im Interkulturellen Autorencafé „fremdwOrte“

Buchregal, Bücher, Café, Austausch, Köln, Raum, Sprache, Ort, Wohnen

Interkulturelles Autorencafé „fremdwOrte“: Treffen vom 09.01.2018, Foto: © Roberto Di Bella

Wo wohnen Worte? Wo Worte wohnen!

Oh wie raumhaft kann die Sprache sein!“ Im Interkulturellen Autorencafé „fremdwOrte, in dem sich in monatlichem Turnus migrierte und eingeborene Freunde der Sprachen treffen, um miteinander über Geschriebenes und seinen Ort in der Welt zu diskutieren, ging es beim ersten Treffen am 9. Januar des noch frischen Jahres 2018 im Literaturhaus zu Köln um die Themen Wohnen, Wohnwelten, Wohnkulturen, Leben und Räume.

Bevor auch nur ein Wort zur Literatur fallen konnte, stand das Thema „Raum“ bereits im selbigen, in ganz lebenspraktischer Weise. Denn der Raum, in dem man sich traf, konnte die stetig Ankommenden und ihre Stühle kaum fassen. Der Initiator der Veranstaltungsreihe Dr. Roberto Di Bella nahm es gelassen und freute sich sowohl über das rege Interesse, als auch über die Möglichkeit seinerseits ganz dezentral in den Stuhlkreis einzugehen. Er begrüßte zu Beginn einen besonderen Gast in der Runde:

die Autorin Yoko Tawada.

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Köln, Raum, Sprache, Ort, Wohnen

Interkulturelles Autorencafé „fremdwOrte“: Yoko Tawada / © Simone Jawor

Frau Tawada ist derzeit in besonderer Funktion in Köln. Sie ist die Kuratorin der diesjährigen Poetica, dem Festival für Weltliteratur, das vom 22. bis zum 27. Januar zum vierten Mal stattfindet. Das diesjährige Motto der Poetica lautet: Beyond Identities – Die Kunst der Verwandlung.

Den Hauptteil der Diskussion bei diesem Fremdworte-Treffen nahm die Diskussion der Ergebnisse des Kreativworkshops „GeWohnt und UngeWohnt“ ein. Dieser hatte an an zwei Tagen im November 2017 im Rautenstrauch-Joest-Museum stattgefunden. Die internationale Teilnehmergruppe hatte sich hier von den Exponaten und den Informationen des Museums zu verschiedenen Texten inspirieren lassen. Am Samstag, den 2. Dezember 2017, waren die Texte bei einer Lesung innerhalb des Themenparcours bereits präsentiert worden. Einige Texte sind sogar vorübergehend als Intervention in der Abteilung „Wohnen“ des Museums ausgestellt. In der anwesenden Runde waren sowohl die Workshopleiterinnen, als auch einige Teilnehmer zugegen, die den Workshop nochmal für alle vorstellten und ausgewählte Texte daraus zu Gehör brachten. Als Inspiration hatten im Museum die Exponate zu den Lebenswelten anderer Kulturen gedient, so dass sich Texte und Diskussionen auch im Nachhinein um Fragen von Wohnen und Raum drehten. Es wurden auch sehr persönliche Erfahrungen in den Raum gestellt, etwa unmittelbare Erfahrungen von Verlust früherer Häuser und Wohnungen durch Flucht und die unzumutbare Situation, die der beengte und permanent öffentliche Lebensraum Turnhalle für eine Person bedeuten. Aber auch anwesende Personen ohne Fluchterfahrung berichteten von Erlebnissen, etwa vom Verlust des Wohnraums bedroht zu sein oder die eigene Wohnsituation freiwillig in verschiedenen Lebensphasen gewechselt zu haben. Schließlich kam auch die Thematik des Wohnens in der Kriegs- und Nachkriegszeit auf, so dass das ein breiter thematischer Bogen entstehen konnte, der es auch erlaubte auf gemeinsames Wohnen und seine Schwierigkeiten einzugehen. Hier dienten die Ereignisse an der Keupstraße mit dem Bombenattentat von 2004, dem Hinterfragen des sozialen Zusammenhalts und dem Birlikte-Festival als Folgeentwicklung als Beispiel. Die gelesenen Texte als dem Workshop waren in deutscher Sprache verfasst, doch mancher Teilnehmer las noch ergänzende Arbeiten auf Arabisch und die Diskussion glitt bisweilen ins Englische ab. Es fand also ein wirklich internationaler und sehr lebhafter Austausch statt, innerhalb dessen auch Fragen des Rechts auf künstlerische Ausdrucksfreiheit und Hinweise auf die Interpretationsfreiheit des Lesers wiederholt aufkamen. Zur Abrundung der Veranstaltung wurden Fotos vom Workshop, aber auch von verschiedenen Installationen des Teilnehmers Manuel G. Cardero gezeigt, der an verschiedenen Orten in der Welt literarische Texte in den Lebensalltag von Gruppen hineingetragen hat. Seine Kollegin Alexandra Bergedick las begleitend zu den Fotos eigene Texte. Gemeinsam formulierten sie den Anspruch Projekte zu beginnen, in denen Texte mit anderen Kunstformen, etwa Musik oder bildende Künste, verbunden werden sollen und luden alle Anwesenden zur Teilnahme ein. Der lebendige und auf Fortschreibung ausgelegte Charakter des Nachmittags blieb somit über das ganze Treffen hinweg greifbar. Wo und wie die Menschen wohnen, darüber hätte man sicherlich noch eine Ewigkeit lang sprechen können, oder man hätte die Diskussion auf den wesentlichen und offensichtlichen Punkt verkürzen können: viele leben einfach in ihren Worten.

Simone Jawor –
© read MaryRead 2018

► Bordcafé

Die nächsten Treffen finden am:

Dienstag, 6. Februar 2018, 16 – 18 Uhr
Dienstag, 6. März 2018, 16 – 18 Uhr statt.
Ort: Literaturhaus Köln, Großer Griechenmarkt 39 (Nähe/near Neumarkt)

weitere Informationen können Sie () bei fremdwOrte erhalten.

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