Lesung mit Mirjam Pressler an der Universität Siegen

Universität Siegen, Dunkles Gold, read MaryRead, Literaturmagazin online,

Mirjam Pressler, Universität Siegen, 31.10.2018 / made by © read MaryRead

Gehobener Schatz

Mit ihren 78 Jahren ist die vielfach ausgezeichnete Kinderbuchautorin und Übersetzerin Mirjam Pressler noch sehr agil. Im Frühjahr 2019 erscheint ihr neuer Jugendroman „Dunkles Gold“ im Beltz & Gelberg Verlag.

An der Universität Siegen wird für dieses Semester unter der Leitung von Dr. Jana Mikota eine Seminarreihe über Mirjam Pressler angeboten. Gemeinsam mit der Professorin Karin Richter, die zugleich mit der Autorin befreundet ist, wurde Mirjam Pressler nach Siegen eingeladen, die gerne gekommen ist. Kinder- und Jugendbuchautoren werden allgemein in der Literaturwissenschaft vernachlässigt, beide Dozentinnen setzen dem was entgegen, man plant sogar, gemeinsam mit den Studierenden eine Schrift über Mirjam Pressler herauszugeben.
      Im Gespräch mit Jana Mikota, Karin Richter und den Studierenden erzählte Mirjam Pressler aus ihrem Leben, wie sie zur Übersetzerin wurde – eher zufällig -, wie sie zum Schreiben gekommen ist – aus einer Idee heraus, die bis heute nicht verwirklicht werden konnte. Ganz im Gegensatz zu ihren eher düster anmutenden Erzählungen verfügt die Autorin über eine große Portion Humor, im Gespräch mit jungen Menschen ist sie in ihrem Element, man kann sie nicht stoppen, man will sie nicht stoppen, man wünscht sich, sie könnte noch viele Stunden aus ihrem reichen Leben erzählen.
     Ihre bisher letzte bekannteste Übersetzung aus dem Hebräischen ist der Roman „Judas“ von Amos Oz, wofür beide mehrmals ausgezeichnet wurden, unter anderem mit dem „Internationalen Literaturpreis“.
      Eigentlich wollte Mirjam Pressler eine Anthologie über das Judentum im Spiegel der Historie herausgeben, doch daraus wurde bisher nichts, stattdessen begann sie, eigene Bücher zu schreiben. In ihrem Œuvre ist die Judenverfolgung ein Thema, so auch in ihrem neuen Roman „Dunkles Gold“.
     Judenverfolgung fand zu jederzeit und an jedem Ort statt. Wer sich im vergangenen Jahr mit der 500 Jahre Reformation beschäftigt hat, wurde mit dem Antisemitismus von Martin Luther konfrontiert, dass in der Biografie von Lyndal Roper „Luther. Der Mensch Martin Luther“ sehr gut beschrieben wird. In friedlichen Zeiten waren Juden als Geldgeber gern gesehen ohne sie mit gleichen Bürgerrechten auszustatten, doch sobald ein Krieg oder eine Katastrophe sich ankündigte, wurden Juden seit jeher dafür verantwortlich gemacht, so auch im Mittelalter, als die Pest um sich griff. Rachel und ihre Familie konnten bislang in Erfurt ruhig leben, wurden von der Nachbarschaft anerkannt. Doch dann bekommt die Familie Besuch, der Unheil verkündet, überall dort, wo die Pest schon da ist, hat man Juden für die unheilbringende Krankheit verfolgt, ausgeraubt, ermordet und bald wird die Pest auch in Erfurt ankommen. Der Besucher rät ihnen zur unauffälligen Flucht, ihren Schmuck und andere Habseligkeiten vergraben sie.

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Zufällig entdeckte man 1998 in Erfurt einen Schatz, der einzigartig ist. Der Schatz stammt aus dem Jahr 1349. Der Schatz ist deshalb so einzigartig, weil normalerweise Silber- und Goldschmuck immer wieder eingeschmolzen wurden, um neuen Schmuck herzustellen. Bei diesem Schatz sind neben Schmucksachen auch Geschirr und ähnliches vorhanden,1 sehr zur Freude der Archäologen und Historiker. Seit diesem Fund wird in Erfurt viel darüber gesprochen. Mirjam Pressler hat diese wahre Begebenheit aufgegriffen und in ihrem historischen Roman zwei Zeitebenen miteinander verflochten. Rachel aus dem Mittelalter und als Betroffene des Judenpogroms, Laura aus der Gegenwart, die ein Graphic Novel über den Schatz kreieren möchte.

Wer das Glück hatte, Mirjam Pressler an der Universität Siegen zu erleben, ging reich beschenkt nach Hause.

© read MaryRead 2018

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Einzelnachweis:

1 Jüdische Geschichte und Gegenwart in Erfurt (): Erfurter Schatz, zuletzt besucht am 02.11.2018


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