Bachmann-Wettbewerb 2019: „Der Schrank“ von Birgit Birnbacher

Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2019, Klagenfurt, Österreich

Wer beobachtet wen?

Birgit Birnbacher sammelte schon vor dem Bachmann-Wettbewerb Erfahrungen bei Literaturwettbewerben, dementsprechend souverän trug sie ihren Text „Der Schrank“ in Klagenfurt vor.

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Willkürlich wurden Personen für eine Sozialstudie ausgesucht. Zu diesem Personenkreis gehören unter anderem die Beckmann, der Berlacovic und die Ich-Erzählerin. Die drei wohnen auf einer Etage in einem verarmten Viertel einer Stadt. Sie gehören zu den Verlierern, so oder so ähnlich würde sich ein Soziologe ausdrücken. Die Studie wurde von der Hauptstadt in Auftrag gegeben und soll den Ist-Zustand der Gesellschaft festhalten und analysieren.
     Birgit Birnbacher wird in ihren Aussagen konkret und bleibt doch vage. In der Prosa gibt es eindeutig eine Ich-Erzählerin, die sechsunddreißig Jahre alt ist, arbeitslos und sich mit kleinen Jobs etwas dazu verdient. Neben ihr gibt es den „Beobachter“, der die Studie in diesem Viertel durchführt, doch er ist nicht nur Beobachter, sondern er wird stellenweise auch zum personellen Erzähler, zumindest erweckt es den Eindruck. Jedoch führt nicht nur der Beobachter eine Sozialstudie durch, die österreichische Schriftstellerin ist ebenfalls eine gute Beobachterin. Mit kleinen Federstrichen skizziert sie die Verhältnisse auf der Etage, in dem Haus, die Umgebung. Obgleich es sich um eine trostlose Gegend handelt, beklagt sich niemand, so, als seien sie schon abgestumpft, als seien sie hoffnungslos, dass sich jemals nochmals irgendetwas für sie ändern würde. Doch da ist plötzlich der Schrank im Hausflur, der Anlass zu Spekulationen, zum Gespräch bietet, es kommt Bewegung in der ansonsten vorherrschenden Stille hinein, sie beginnen sich den Schrank aufzuteilen, jeder kann ein paar Sachen hineintun. Zuerst weiß niemand, wem der Schrank gehört.

Während der 43. Tage der deutschsprachigen Literatur fand dieser Text bei den Juroren großen Anklang und das zurecht. Man muss den Text nicht zwangsläufig mehrmals lesen und doch lohnt es sich. Beim ersten Lesen gehen viele Details unter, man merkt sich nur das Wesentliche. Beim zweiten und dritten Lesen dämmert es einem, dass hier jemand geschrieben hat, die was davon versteht, die weiß, wie Literatur sein sollte. Wortneuschöpfungen bereichern die Erzählung, Farben geben einem eine Idee, wie es aussehen könnte. Die Beckmann kann man sich lebhaft vorstellen. Zugleich hält sich alles die Waage, kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig, keine der Stilmittel nimmt überhand.
     Ein wirklich sehr gelungener Text.

© read MaryRead 2019

Bordcafé

Eine Künstlerin interpretierte den Text so:

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