Bachmann-Wettbewerb 2019: „Das kann ich“ von Andrea Gerster

Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2019, Klagenfurt, Österreich

43. Tage der deutschsprachigen Literatur – Ingeborg Bachmannpreis 2019, Andrea Gerster, 1. Wettbewerbstag │© Johannes Puch, ORF

Rabenmutter

Zunächst las ich den Text „Das kann ich“ von Andrea Gerster nur widerwillig, die naive Sprache sagte mir nicht zu, auch das scheinbare Thema einer Ehescheidung wirkte zunächst klischeehaft. Doch dann packte mich die Erzählung, denn nach und nach entpuppte sich die Scheidung als Oberfläche, darunter verbirgt sich ein schwieriges Mutter-Sohn-Verhältnis.

Andrea Gerster wurde zum Bachmann-Wettbewerb von Hildegard Elisabeth Keller eingeladen. Sie war die letzte Vortragende am Donnerstag, den 27. Juni 2019. Doch darüber informierte ich mich erst, als ich die Prosa von ihr bereits gelesen hatte. Wenn ich mich vorab informiert hätte, wäre der Einstieg in den Text für mich ein anderer gewesen.

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Die Mutter bzw. die Oma ist zugleich die Ich-Erzählerin. Sie berichtet über die Ehe zwischen ihrem Sohn Mathias, den sie Mathi nennt und seiner Frau Julia, die eine erfolgreiche Ärztin ist. Die beiden haben einen Sohn, Till, von der Oma wird er Tilli genannt. Zuerst hat man den Eindruck von einer besorgten Oma, die für ihren Sohn und Enkel das Beste will. Julia ist in den Augen der Schwiegermutter eine kalte Karrierefrau, die einer Rabenmutter schon sehr nahe kommt. Allmählich verändert sich der Blick, zunehmend wird sie zu einer Übergroßmutter, eine, die über griffig wird und ist, Grenzen der anderen zu respektieren ist nicht ihr Ding.
     Erzählt wird die Story von der schweizerischen Schriftstellerin in kurzen und knappen Sätzen, wörtliche Rede ist nicht gekennzeichnet, so als würde eine literarisch Unbedarfte etwas geschrieben haben. Weitestgehend ist es eine biedere Sprache der sogenannten einfachen Leute, man stolpert über vermeintliche Rechtschreibfehler wie Omama oder man sinniert darüber, ob es eine Wortneuschöpfung durch Zusammensetzung zweier Wörter wie Oma und Mama handeln könnte. Am Ende wird einem jedoch klar, dass solche Worte auch anders gelesen werden können: O Mama. Und dann lässt der Text Fragen offen, wie beispielsweise, ob die Ich-Erzählerin tatsächlich ihren Sohn Mathias als Kind in einem Raum weggesperrt hat, oder warum ihr Sohn am Ende anruft und weint. Gut so, dass Fragen offen bleiben.

Hubert Winkels bezeichnete es in der anschließenden Kritik als Stephen-King-Setting und sieht darin auch den „Der Kaukasische Kreidekreis“ von Bertolt Brecht. Zu Beginn ist man auf der Seite derjenigen, die den Monolog hält, bis es dann in den Horror kippt. Klaus Kastberger vermisst hingegen einen Kick, einen Bruch, irgendetwas, was einen aus dem sprachlichen Rhythmus bringt. Michael Wiederstein sieht mehrere gute Beobachtungen im Text, die vor Klischees bewahren. Nora Gomringer hätte gern ein Messerstich gesehen.
     Ein langsamer und stiller Text, der seine Wirkung nach und nach entfaltet.

© read MaryRead 2019

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